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NTSC

National Television Systems Committee – NTSC ist eine US-amerikanische Institution, die das erste Farbübertragungssystem für Fernsehsignale festlegte, das in weiten Teilen Amerikas und einigen Ländern Ostasiens verwendet wird.

LCD-TV

LCD-TV ist die dominierende Technologie am Display-Markt

Beschreibung

Der Begriff NTSC setzte sich später als Bezeichnung für dieses Fernsehsystem als solches durch.

Geschichte:
Das nationale Fernsehsystemkomitee wurde 1940 durch die Federal Communications Commission (FCC) ins Leben gerufen, um den zwischen den Firmen über einen landesweit einzuführenden Fernsehstandard aufgeflammten Konflikt zu lösen. Im März 1941 veröffentlichte das Komitee einen technischen Standard für schwarz-weißes Fernsehen. Dieses basierte auf einem Vorschlag der Radio Manufacturers Association (RMA) von 1936, das ein System mit 441 Zeilen vorschlug. Mit der Weiterentwicklung des Vestigial Sideband zur Fernsehübertragung, welche die benötigte Bandbreite verringerte (sodass je Frequenzband mehr Sender untergebracht werden können), ergab sich eine Möglichkeit, auch die Bildauflösung zu verbessern. Das Komitee machte einen Kompromiss zwischen dem Wunsch der Radio Corporation of America (RCA), die mit dem NBC-Netz schon einen 441-Zeilen-Standard verwendeten, den alten Standard zu behalten und dem Interesse von Philco an einer Auflösung von 600 bis 800 Zeilen, indem es einen 525-zeiligen Standard festlegte.

Im Januar 1950 wurde das Komitee wieder einberufen, um eine Entscheidung über das Farbfernsehen zu treffen. Im März 1953 stimmten die Mitglieder einstimmig dem heute allgemein unter dem Begriff NTSC bekannten Standard zu. Dieser neue Standard besaß allerdings volle Abwärtskompatibilität zum alten Schwarzweiß-Standard.

Die FCC stimmte Anfang 1950 kurzfristig einem anderen Farbfernsehstandard zu. Er wurde vom Columbia Broadcasting Inc. (CBS) entwickelt und war zum alten Schwarzweiß-Standard inkompatibel. Es benutzte wechselnde Farbmischungen, reduzierte die Zeilenanzahl von 525 auf 405 und erhöhte die Rate der Einzelfelder von normalerweise 60 (in 2 Halbbildern zu effektiven 30 fps) auf 144 (was aber durch 6 verschiedene Felder effektiv nur 24 Vollbilder ergab). Die Verzögerungstaktik der RCA verhinderte den Einsatz dieses Systems bis Mitte 1951 und die eigentliche Ausstrahlung mit diesem System lief nur ein paar Monate, bis die National Production Authority (NPA) (dt.: staatliche Produktionsaufsicht) das System verbot. Die meisten der bis dahin hergestellten Empfangsgeräte wurden danach verschrottet, heute existieren nur noch zwei Geräte. Offiziell abgeschafft wurde der Standard 1953 von der FCC und wurde noch im selben Jahr vom farbigen NTSC-Standard ersetzt, der unter Einbeziehung vieler Firmen, darunter RCA und Philco, entwickelt worden war. Eine Variante des CBS-Systems wurde später von der NASA verwendet, um die Bilder der Astronauten aus dem Weltraum zu übertragen.

Über ein drittes, zeilenwechselndes System der Color Television Incorporated (CTI) wurde ebenfalls nachgedacht. Dementsprechend nannte man später das CBS-System feldwechselnd und das NTSC-Format punktwechselnd.

Die erste im freien Handel verfügbare NTSC-Farbkamera war die RCA TK-40A im März 1954, die später durch die verbesserte Version TK-41 ersetzt wurde. Diese wurde die am häufigsten verwendete Fernsehkamera der 60er Jahre.

Der NTSC-Standard wurde trotz aller Bemühungen neben den USA nur von wenigen Industriestaaten übernommen, vor allem von Kanada und von Japan. Europa brachte später einen grandiosen Streit zwischen SECAM und PAL hinter sich und war dadurch geteilt. Eine ganze Reihe Mittel- und Südamerikanischer Staaten übernahmen NTSC, die beiden größten lateinamerikanischen Länder Argentinien und Brasilien entschieden sich dagegen für eine NTSC-ähnliche Abart von PAL. Unter Radio und Fernseh-Technikern wird die Bezeichnung NTSC auch scherzhaft mit "never the same color" übersetzt

Technische Details:
Das NTSC-Signal wird (anders als bei PAL) in allen Ländern, die es heute nutzen, mit identischem Bildformat benutzt: 525 Zeilen (davon maximal 486 sichtbar), Interlace, 29,97 Vollbilder pro Sekunde (ursprünglich 30 bei Schwarzweiß), Farbträger ca. 3,58 MHz, Tonträger 4,5 MHz, negative Amplitudenmodulation für das Bild, Frequenzmodulation für den Ton. Diese Eigenschaften alle zusammen genommen bezeichnet man vollständig als NTSC-M. Lediglich Japan verwendet eine minimal abweichende Norm mit einem leicht anderen Schwarzpegel; durch Verstellung des Helligkeits-Reglers am Empfänger kann dieser Unterschied aber bei allen NTSC-Empfangsgeräten ausgeglichen werden.

Im digitalen Bereich, zum Beispiel auf DVDs, bezeichnet NTSC nur mehr das Bildformat von 720 x 480 Bildpunkten bei 29,97 Vollbildern pro Sekunde. Die übrigen oben aufgezählten Eigenschaften sind für digitale Signale nicht mehr relevant.

Bildwiederholrate:
Der NTSC-Standard, oder korrekterweise M-Standard, besteht aus 29,97 Vollbildern pro Sekunde. Jedes Bild besteht aus 486 sichtbaren Zeilen (von denen heute oft nur noch 480 genutzt werden). Die restlichen zu 525 fehlenden Zeilen werden für die Synchronisation, Rekonstruktion des Bildes und andere Daten wie Untertitel verwendet. Das NTSC-System setzt die Bilder aus zwei Halbbildern zusammen, indem es jeweils eine ungerade und eine gerade Zeile abwechselnd in ein Feld schreibt. Damit wird ein mit 59,94 Hz (beim ursprünglichen Schwarzweißsystem 60 Hz) schwingendes, nahezu flimmerfreies Bild erzeugt. Die 625-zeiligen Formate PAL und SECAM, die beide mit lediglich 50 Hz arbeiten, sind für Bildflimmern etwas anfälliger. Das Zusammensetzen der Bilder macht die Videobearbeitung zwar etwas komplizierter, was aber für alle derartigen Videoformate, also auch für PAL und SECAM, gilt.

Die NTSC-Bildwiederholrate lief anfangs, in Anlehnung an das in den USA übliche Wechselstromnetz, mit genau 60 Hz. Es war günstiger, die Bildwiederholrate an die Frequenz der Energiequelle anzupassen, da sonst in der Nähe starker Stromquellen oder im Licht von Leuchtstoffröhren laufende Balken auf dem Bildschirm sichtbar gewesen wären. Die Angleichung der Wiederholrate an die Stromversorgung war außerdem für die frühen Liveübertragungen hilfreich: Es war dadurch sehr einfach, die Kamera dazu zu bringen, ein Bild zu speichern, indem man die Wechselspannung als Blendenauslöser verwendete. Im Farbsystem wurde die Wiederholrate dann leicht nach unten auf 59,94 Hz (genauer: 60000 Halbbilder je 1001 Sekunden) abgesenkt, da sich so gewisse Interferenzen zwischen Farbträger und Bildfrequenz vermeiden lassen.

Die unterschiedliche Bildwiederholrate zwischen NTSC und den anderen beiden Bildformaten PAL und SECAM ist das größte Hindernis bei einer Videoumwandlung. Da die Bildwiederholrate von NTSC höher ist, ist es für die Videobearbeitungsgeräte nötig, bei Umwandlung in NTSC die fehlenden Bilder aus benachbarten Bildern zu interpolieren. Dies erzeugt Artefakte, die ein geübtes Auge in so umgewandelten Videodateien leicht erkennen kann.

Telecine:
Kinofilme werden seit den 1920er Jahren weltweit mit 24 Vollbildern pro Sekunde gedreht, was weder der PAL- noch der NTSC-Norm entspricht. Daraus ergibt sich ein Problem, wenn solche Filme im Fernsehen gezeigt werden sollen. Während man bei PAL (25 Bilder pro Sekunde) den Film einfach 4% schneller abspielen kann, was noch nicht sehr auffällt, müsste man bei NTSC (ca. 30 Bilder pro Sekunde) den Film 25% schneller abspielen, was schon sehr stark auffallen würde. Stattdessen werden hier je 4 Bilder in je 5 Bilder umgewandelt mittels eines Telecine-Verfahrens namens 3:2-Pull-Down. Telecine zieht diverse technische Schwierigkeiten nach sich, wenn es mittels Inverse Telecine zur Aufzeichnung oder zum Abspielen auf einem Nicht-Standard-Röhren-Fernsehgerät (LCD, Plasma, 100-Hz-Röhre, etc.) wieder rückgängig gemacht werden muss.

Farbkodierung:
Für die Abwärtskompatibilität zum Schwarzweiß-Fernsehen benutzt das NTSC-Format ein Helligkeits- und ein Farbsystem, die getrennt übertragen werden. Diese Zusammensetzung wurde 1938 von Georges Valensi erfunden. Das Helligkeitssystem ist im Grunde genommen das alte Schwarzweißsystem, wohingegen das Farbsystem die eigentlichen Farbinformationen enthält: Es benutzt für die Farbübertragung zwei Farbdifferenzsignale nach dem YUV-Modell1. Dies erlaubte den alten Schwarzweiß-Empfängern, das Farbformat darzustellen, indem sie die Farbinformationen einfach ignorierten.

Zur Übertragung im FBAS-Videosignal moduliert das NTSC-Format die Farbinformationen auf eine Trägerwelle, auch Farbträger oder Farbhilfsträger genannt, mit einer Frequenz von 3,579545 MHz.

Die Modulationsart ist eine QAM- Restseitenbandmodulation, mit dem sich beide Farbdifferenzsignale gleichzeitig übertragen lassen.

Die Trägerwelle selbst wird während der Übertragung aus Effizienzgründen unterdrückt, und später bei der (QAM-)Demodulation im Empfänger wieder rekonstruiert. Dazu verwendet man ein kurzes Referenzsignal, ein "Paket" von Sinusschwingungen der gleichen Frequenz und Phasenlage, welches man Colorburst oder kurz Burst nennt. Es befindet sich am Anfang jeder Bildzeile im eigentlich ungenutzten Raum zwischen dem waagerechten (Horizontal-)Synchronisierungsimpuls und dem Start des sichtbaren Bildinhalts (also in der hinteren Schwarzschulter). Der Colorburst selbst besteht aus acht bis zehn Takten der unmodulierten Trägerwelle mit 180° Phasenlage als Referenz. Zur Rekonstruktion des Farbträgers wird ein in engen Grenzen abstimmbarer (Quarz-)Oszillator mit einem Phasenregelkreis (PLL) auf den Colorburst synchronisiert.

Um die beiden Farbsignale U und V im Empfänger zu gewinnen, erfolgt die Demodulation des QAM-Farbsignals nun mit dem rekonstruierten Farb(hilfs)träger.

Diese Art der Farbcodierung ist auch der Grund für die Deutung von "NTSC" als Backronym für "Never The Same Colour". Auf dem Funkübertragungskanal und im Empfänger kann es nämlich leicht zu Phasenverschiebungen zwischen Burst, bzw. Farbträger, und dem QAM-Signal kommen. Weil NTSC im Gegensatz zu den alternativen Systemen PAL und SECAM ursprünglich nicht über dynamische Korrekturmaßnahmen dagegen verfügte, kam es früher häufig zu charakteristischen Farbverfälschungen wie ins Grüne oder Violette verfälschte Hautfarben. Siehe unterer Abschnitt "Farbfehler".

1) Heute wird das YUV-Modell, Rot minus Helligkeit und Blau minus Helligkeit verwendet, zu früheren Zeiten der YIQ-Farbraum, der auf Kanälen mit Bandbreitenbeschränkung effizienter ist; I und Q sind hierbei nicht zu verwechseln mit den beiden Vektorkomponenten des QA-modulierten Farbsignales, die auch mit I und Q bezeichnet werden.
2) Genau 315/88, der Grund für die Zahl ist eine Frequenzverkämmung mit dem Helligkeitssystem, um Moiré-Bildstörungen durch Interferenz und Intermodulation zu vermeiden. Dies war auch der Grund für die leichte Anpassung der Bildwiederholrate. Siehe PAL; SECAM verwendet keine Frequenzverkämmung.

Verschlüsselungssysteme:
Analoges und digitales NTSC besitzen verschiedene Zugangssperren ("Zugangsmethoden") zum System, die für Pay Per View (PPV) und andere kundenbezogene Dienstleistungen verwendet werden können.

Gebräuchlich in den Systemen Nordamerikas Motorola (GI):
- Videocipher I (analog, nicht weiter benutzt)
- Videocipher II (noch in Gebrauch)
- Digicipher II (digital, weiteste Verbreitung)

Kein Teletext (Videotext):
Teletext (in Deutschland auch als Videotext bekannt) hat sich im NTSC-Bereich nie durchsetzen können, wird heute so gut wie nicht mehr ausgestrahlt, und nur sehr wenige Empfangsgeräte haben entsprechende Decoder. Nur ein "Closed Captioning" genanntes System zur Anzeige von Untertiteln für Gehörlose und Hörbehinderte ist im Einsatz, das den im PAL-Bereich üblichen Teletext-Untertiteln ähnelt. Dieses kann aber nur aus- oder eingeschaltet werden, Seitennummern existieren nicht.

Farbfehler:
Stellt man sich die Modulation im Zeigerdiagramm vor, so steckt beim jeweiligen Zeiger in der Phase der Farbton, in der Länge des Zeigers die Farbsättigung. Phasenverschiebungen, die in der gesamten Übertragungskette auftreten können (vor allem beim herkömmlichen terrestrischen Empfang, weniger über Kabel oder Satellit), wirken sich dadurch als Farbtonfehler aus. Dieser lässt sich im Prinzip nicht automatisch korrigieren. Fernsehgeräte mit NTSC-Farbteil haben deshalb traditionell gegenüber PAL-Geräten eine zusätzliche Einstellmöglichkeit, den Farbtonregler (engl. "hue control" oder "tint control").

Die meisten neueren Geräte haben inzwischen Schaltkreise zur automatischen Regelung des Farbtons. Dabei wird vor allem eine Natürlichkeit von Haut- und Gesichtsfarben angestrebt, da Fehler in diesem Bereich am stärksten auffallen. Um dies zu erreichen, werden mit dem Vertical-Interval-Reference-Verfahren (VIR) einige Referenzwerte (schwarz, 50% grau und "hautfarben") in Bildzeile 19 übertragen. Da diese Referenzwerte als normaler Bildinhalt (aber noch unsichtbar im oberen Bildrand) gesendet werden, ist die Kompatibilität zu alten Empfängern gewährleistet.

Aufgrund der oft auffallenden Farbfehler beim NTSC-Verfahren existiert eine scherzhafte Deutung der Abkürzung NTSC, die entweder als "Never The Same Color" oder "Never twice the same color" geläufig ist. Dies heißt soviel wie "Niemals (zweimal) die selbe Farbe", womit spöttisch auf die Problematik hingewiesen wird, dass selbst bei geringsten Übertragungsfehlern ? besonders im Farbbereich von Gesichtsfarben ? sichtbare bis störende Verfärbungen auftreten.

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